Was wir wollen und was wir kriegen

Wohin führt uns der Transhumanismus?

Eine Weisheit sagt: Wir bekommen im Leben nicht das, was wir wollen, wir bekommen das, was wir brauchen. Was aber brauchen wir? Das wissen wir selbst oft am wenigsten und können nur rückblickend analysieren, was uns das Leben gelehrt und geschenkt hat. Warum aber bekriegen wir dann oft das, was wir bekommen, wenn es nicht das ist, was wir wollen?

Das Leben birgt viele Momente, in denen es uns fordert, radikal zu akzeptieren, sich der Situation hinzugeben und das eigene Schicksal anzunehmen – besonders bei Krankheit, Unfall oder Tod – und Wege zu finden, die fernab des Alltags gepflastert wurden. Das, was uns diese Wege aufzeigt, oder aufzeigen kann, und uns neue Dimensionen des Lebens öffnet, nennen wir im Sprachgebrauch Schicksalsschlag. Im spirituellen Sinne: Die Möglichkeit zu reifen und zu wachsen.

Wohin aber wachsen wir, wenn wir uns als Gesellschaft immer weiter darauf ausrichten, diese besonderen Erfahrungen des Lebens zu verhindern? Sicherheitsdenken, Versicherungen abschließen, Vorkehrungen treffen – einen großen Teil unserer Lebenszeit, sind wir damit beschäftigt, uns abzusichern. Wir wollen uns davor bewahren, dass uns Leid geschieht. Und doch bedeutet vor allem das fehlerhafte Leben: leben.

Hilfe versprechen uns seit einigen Jahrzehnten smarte Angebote des Transhumanismus: Mit einem Chip im Körper, unter der Haut, wird im Supermarkt an der Kasse bezahlt, werden Überweisungen getätigt, Türen geöffnet, Gesundheitsdaten übermittelt. Noch ist die Welt der Transhumanisten sanft ausgerichtet.
Der pragmatische Blick geht jedoch nicht über den Tellerrand hinaus, findet der Kölner Philosoph Gunnar Kaiser. Zusammen mit der Schauspielerin Philine Conrad erforscht er im Gespräch, wohin die Reise gehen könnte. Welche Gefahren verbergen sich hinter der Umgestaltung des Körpers hin zu Menschmaschinen?

Und was bedeutet es gesellschaftlich und menschlich, den Körper immer weiter perfektionieren zu wollen und damit immer weiter in die Natürlichkeiten des Lebens einzugreifen? Verlernen wir damit das Annehmen des wirklichen Lebens? Der Schicksalhaftigkeit und der „Fehler“ der Natur – die uns nur durch ihre Fehler perfekt sein lassen?

Eine philosophische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Betrachtung des Transhumanismus.