Frei Spiel

Nächstes Frei-Spiel-Wochenende:
1.–3. August 2025

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Jedes Jahr im August gestalten Studierende der der renommierten Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ ein ganzes Wochenende. Unter dem Motto Frei Spiel zeigen die jungen Künstler:innen ihre selbsterarbeiteten Stücke aus dem dritten Studienjahr: Wildes und Leises, Wohlbedachtes und Belachtes – und Schräges, passend zu unserem eigenwilligen Theater.

> Lesen Sie die Rezension von Tom Mustroph auf fidena.de (Deutsches Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst e.V.)

Produktionen 2025

Szene aus „Der kleine Mönch“

Der kleine Mönch
nach Leben des Galilei von Bertolt Brecht
Eine entsetzliche Unruhe lässt dem kleinen Mönch seit drei Nächten keine Ruhe. Dem Wissenschaftler Galileo Galilei wird vom Vatikan verboten, die kopernikanische Lehre, wonach die Sonne Zentrum des Weltalls ist, nicht die Erde!, zu vertreten. Sie sei töricht, absurd und ketzerisch im Glauben.
Doch der kleine Mönch hat Mathematik studiert, hat in das Teleskop gesehen, weiß von der Richtigkeit dieser Lehre anhand von logischem Denken und seinen Sinnen. Er kennt aber auch den Wert des Glaubens für die Bauern der Campagna, seinem Zuhause. Um Galileo zu überzeugen, versucht er eine Rechtfertigung für das Vorgehen der Kriche zu formulieren. Dabei stößt er sich bei dem, was er glauben will, an dem, was sein irdischer Verstand weiß. Welcher Weg führt zum Menschen und welcher von ihm weg? Eine Suche nach Halt im leeren Raum.
Von und mit David Paul Kammerer

Szene aus „Philotas“

Philotas
nach Lessing
Ein scheußlicher Krieg. Eigentlich wollte sich der junge Philotas gleich in seiner ersten Schlacht als echter Mann hervortun. Wegen übereiltem Voranstürmen wird er jedoch direkt gefangengenommen, mit nur einer Wunde. Und anstatt im dunklen Kerker wird der wertvolle Kriegsgefangene in einem luxuriösen Zelt untergebracht: hohnsprechende Höflichkeit!
Doch durch einen Zufall befindet sich der gegnerische Prinz ebenfalls in Gefangenschaft. So wird aus dem groben Kriegsunfall eine für beide Seiten unbefriedigende Pattsituation. Der Jüngling beginnt zu glauben, um doch noch zu einem denkwürdigen Helden für uns, die zukünftigen Generationen, aufzusteigen, um seinem geliebten Vater den Sieg in die Hände zu spielen, müsse er seinem Herzen „Luft machen“. Fehlt nur noch ein Schwert ...
Mit Florian Müller, Jakob Wimberger, Alan Begeza, David Kammerer

Szene aus „Der Sandmann“

Der Sandmann
nach E.T.A. Hoffmann
„Wer leben will, muss seine Geschichte beim Namen nennen, er muss sie nennen bei ihrem ersten Satz.“
Ein Mensch lebt sorglos und unbedarft. Da klopft es: Eintritt der Vergangenheit, einer vermeintlich vergessenen. Seltsame Besucher machen Angst und erzählen ein Ammenmärchen. Es beginnt: die Suche nach der eigenen Geschichte, das Ringen um den Verstand.
Konzept, Textfassung, Spiel: Christine Zeides, Cello: Valentin Gorski, Komposition: Markus Gorski, Puppenbau: Christian Werdin, Christine Zeides

Szene aus „Heinrich der Fünfte“


Heinrich der Fünfte
(Hendrik de Vijfde) von Ignace Cornelissen,
Puppentheater frei nach William Shakespeare

Heinrich ist jung, als er König von England wird. Das Land ist marode, die Schatzkammern sind leer und die Menschen unzufrieden. Da ist König sein gar nicht so einfach. Und als ob das nicht genug wäre, beginnt er auch noch einen langen Krieg gegen Frankreich.
Mit Pappburg und Handpuppen erzählen Annika Schaper und Robert Richter eine Geschichte, die Mut macht. Von einem, dessen Macht ihm über den Kopf wächst, von einer mutigen Prinzessin, die sich weigert, einfach nur zuzuschauen, und stattdessen selbst ihr Schicksal in die Hand nimmt, und von einem Erzähler, der sich am liebsten aus allem raushalten möchte. Aber darf man das, sich einen Krieg ansehen ohne einzuschreiten?
Spiel und Regie: Annika Schaper, Robert Richter, Ausstattung: Madita Kuhfuhs, Musik: Christian Schaper

Szene aus „Eine Enthandung“

Eine Enthandung in Spokane
Handkrimi-Szenen aus dem Stück von Martin McDonagh
Mrs. Carmichael ist vor vielen Jahren bei einem schrecklichen Vorfall in Spokane, Washington, ihre Hand abhandengekommen. Sie hat sich geschworen, diese wiederzufinden. Bei ihrer jahrelangen Suche stößt sie auf viele Hände, nur nicht auf ihre. In einem Hotelzimmer in Tarlington trifft sie nun auf das Kleinganoven-Pärchen Marylin und Toby, das behauptet, die Hand gefunden zu haben. Hat Mrs. Carmichaels’ Suche endlich ein Ende? Als sich Hotelrezeptionist Mervyn in die Handangelegenheit einmischt, kommt es zum Showdown.
Mit Viktoria Kasprik, Paula Engel, Veronika Maslíková, Julius Warmuth, Alexander Finger

Szene aus „Erinnerung“

Erinnerung
Ein Stück von Jakob Wimberger
Erinnerungen formen uns. Was bleibt von uns, wenn die Bilder im Kopf verblassen? Wenn Stimmen verstummen, bevor wir sie je gehört haben?
Zwischen Bruderliebe und unausgesprochener Sehnsucht entsteht ein Raum, in dem Erinnerung nicht nur Rückblick, sondern auch Rettung sein kann. Ein poetischer Dialog über Herkunft, Verlust und die Frage, ob Erinnern mehr mit Wahrheit oder mit Hoffnung zu tun hat.
Mit Noé J. W. Lausch und Jakob Wimberger

Szene aus „Die Zofen“

Die Soubretten
nach Die Zofen von Jean Genet
Clarie, Solange und Melange. Schwestern, Dienstmädchen, Angestellte einer despotischen Herrin. Sie schrubben, wischen, bohnern, polieren und betutteln Mobiliar und Ego ihrer Herrin gleichermaßen – bis sie beschließen, sich ihrer Herrin ein für alle mal mit einem vergifteten Tee zu entledigen ...
Wer ist in einer scheinbar aussichtslosen Situation der Abhängigkeiten und Kränkungen tatsächlich gefangen? Gibt es die gnädige Herrin auch ohne ihre Dienerinnen? Und wer ist ihre wahre rechte Hand und was steigt ihr in den Kopf? Ein surreales (Puppen-)Spiel im Spiel im Spiel beginnt und „nur eine kleine Handbewegung würde genügen und du würdest aufhören zu existieren.“
Mit Almut Schäfer-Kubelka, Maximilian Teschemacher, Sven Tillmann,
Regie: Naemi Friedmann, Puppenbau: Melanie Sowa

Produktionen 2024

Szenenbild „Der Meteor“

Der Meteor
Sterben. Wie kommt der Mensch gut aus diesem Leben? Ein Sarg, ein Staatsbegräbnis. Der Literaturnobelpreisträger Wolfgang Schwitter hat es geschafft – doch dann findet er sich in sein schummriges Künstleratelier zurückversetzt. Was hält ihn im Leben fest? Der Ruhelose kämpft um seinen Tod und scheint doch zur Unsterblichkeit verdammt: Am Ende krepieren immer die anderen. Ein morbid-humoristisches Handpuppenstück in einer merkwürdigen Holzkonstruktion.
Mit Christopher Breust und Christine Zeides

Szene aus „little human“

little human
Sand. Ein Wald. Der Ozean, ein angeschwemmter Kühlschrank, Scheinwerfer – nichts. Und dann kommen die Fragen. Fragen wie: Kennen wir uns? Wie sind wir hierher gekommen? Bekommen wir jetzt etwas zu essen? Wie überlebt man hier? Hilfe! Aber da kommt niemand. Nur die Flut. Immer wieder die Flut. Dann also: Aufzeichnungen für die Nachwelt. Damit wenigstens etwas von uns bleibt, bevor wir ... was eigentlich? Eine absurd-naive Neuentdeckung dessen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.
Eine Stückentwicklung von und mit Levi Wessel und Mathilda Maack

Szene aus dem Stück

Harun und die Pfütze-ze
Frei nach Salman Rushdies „Harun und das Meer der Geschichten“
Wasserrohrbruch. Wasserkreislauf unterbrochen. Alltag für die einen, Notfall für die anderen. Rotation des Planeten gestoppt. Die eine Hälfte bleibt im leisen Schatten, während die andere im lauten Hell strahlt. Steht den einen das Wasser in den Stiefeln, sitzen die anderen auf dem Trockenen. Was ist mit dem Dazwischen? Die Konfrontation mit einer Welt, voll Pragmatismus und Vernunft, führt den kleinen Harun und seine neuen Freund:innen auf eine fantastische Reise zu ihren eigenen schimmernden Spiegelungen. Eine coming-of-age-Geschichte über den Mut, sich in der Dualität des Zwielichts und des Zweifels zu bewegen und die Möglichkeit, kleine Dinge zu verändern.
Mit Marie Louise Hoppenheit, George Birsan, Cecilia De la Jara

Spielszene

Penthesilea 
Schlachtfeld. Die Protagonisten sind Kriegende und Liebende zugleich – Penthesilea verliebt sich in Achill, Achill in Penthesilea, zwei unbeugsame, eigenwillige, einander entgegengesetzte Helden. Der Rausch der Gefühle entlädt sich mitten auf dem Kriegsschauplatz, zwischen den feindlichen Armeen und unter den Augen der Götter. Beide kämpfen, lieben, hassen, miteinander und gegeneinander, immer versucht, sich dem Anderen zu nähern – eine tödliche Tragödie.
Mit Pia Dembinski und Carl Geißler

Spielszene

Sturzflug
„Ich könnte mich heute wirklich um wichtigere Dinge kümmern, aber, ich muss doch heute zur Zahnprophylaxe, sowas ekliges … einer ist auch letztens schon dran gestorben ... glaub ich …“ Dieser eine Gedanke ist weg. Schwarz, unklar, nicht greifbar. In Mollys Kopf summt es, ihre Hände verkrampfen in kleine Krallen, ihr Herz schlägt einen ungewohnten Rhythmus, ihre Füße wollen gehen und können nicht, im nächsten Moment überschlagen sich ihre inneren Stimmen: Chaos. Woher kommt diese Anspannung auf welche sie immer wieder stößt und wie viele unentdeckte Räume stecken da noch in ihr? Molly begibt sich mit einem ungewollten Gast auf die Suche, um diese Frage nicht zu beantworten.
Von und mit Hannah Elischer

Spielszene

Dunkle Machenschaften
Die heißeste Nacht des Jahres in Los Angeles, ein berufsmüder Privatdetektiv und Geheimnisse über Geheimnisse. Wohin ist der Ehemann der schönen Auftraggeberin Mary Brown verschwunden? Ist der Nachbar Peterson wirklich nur ein Nachbar? Wer spielt hier ein doppeltes Spiel und warum ist es überhaupt so schwül? Eine Spurensuche mit Mensch und Puppe durch die Stadt der Engel, das Unbewusste und das Genre des Film Noir. Wollen Sie die ganze Wahrheit wirklich wissen?
Regie, Text und Spiel: Sophia Jelena Bobić

Produktionen 2023

Keine Panik

Keine Panik
Eskapismus! Was denn sonst? Aber warum genau müssen wir eigentlich weg? Und vor allem: Werden wir es das nächste Mal besser machen? Was auch immer bis jetzt schief gelaufen ist, wir leben für die Zukunft: Hoch ist die richtige Richtung! Aber:
Was ist die Antwort? Wohin fließt das Blut in der Schwerelosigkeit? Can you smoke in space? Und: Werden wir vielleicht wahnsinnig werden?
Mit Sarah Liebert, Levi Wessel, Mathilda Maack, Aaron Blanck, Toni Maercklin

Ur-Venus

Die Ur-Venus
*oder Ur-nicht die Venus
Ein Stück über ein Fundstück: Die Venus von Willendorf, eine blitzgescheite 30.000 Jahre alte Venusfigurine. Viel wurde über sie gesagt. Doch was würde sie selbst sagen, hätte sie eine Stimme und einen beweglichen Körper? „Können Sie ja auch nicht wissen: Was mein Wille wäre und was geschehe, wenn der Wille der Willendorferin wild werden würde, nicht wahr? Aber ich verstehe schon. Irgendwer muss ja die Geschichte schreiben, nicht wahr? Nicht wahr?“
Mit Gerda Pethke, Odile Pothier, Almut Schäfer-Kubelka
Text und Konzept: Almut Schäfer-Kubelka, Puppenbau: Odile Pothier

Sand fressen

Sand fressen
Auch wenn diese Insel nie sein Ziel gewesen war, so wäre er früher oder später hier gelandet. Nun galt es, sich mit dem zu arrangieren, was war. Und wo zu Beginn noch das Überleben an vorderster Stelle stand, da wird schnell klar, dass hier seit seiner Ankunft ein viel größerer Feind allgegenwärtig auf ihn lauerte. Die Einsamkeit. Eine Geschichte über Angst, über Abhängigkeiten und darüber, das Unvermeidbare zu vermeiden. Einsam, Zweisam, Schweinsam.
Text, Regie, Bühne und Spiel: Sven Tillmann

Zwölf und eine Mühle

Zwölf und Eine Mühle
Eine Verwebung der sorbischen Krabat-Sagen. Daraus entsteht eine ganz eigene Erzählung. Ein Experimentierfeld mit verschiedensten Formen und Spielweisen. Über Machtkreisläufe und Ohnmacht. Unsere eigene Variante von Krabat. „Zwölf ist sein Gesetz. Zwölf, und einer hat die Wahl. Sieh, wie sich das Mühlrad dreht. Und drüber fliegt ein Rabe. Merkst du wie die Zeit vergeht? Bald liegst du im Grabe ...“
Spiel, Konzept und Regie: Madita Kuhfuhs und Annika Schaper

Die Dreizehnjährigen

Die Dreizehnjährigen – oder unsere Schwester Olga
Ein Kinderstück für Erwachsene nach Marieluise Fleißer: Fleißers erste Erzählung Die Dreizehnjährigen handelt von Kindern zwischen dörflicher Einöde und religiöser Tradition, zwischen Unaufgeklärtheit und fehlenden Vorbildern, und zeigt ihren Versuch, erwachsen zu werden. Eine Geschichte, die zu Beginn wie eine naive Coming-off-age-Story der Zwanzigerjahre wirkt, entwickelt sich zu einer Erzählung voller Gewalt. Dabei kippen die Figuren zwischen Unschuld, Eifersucht und Brutalität, Naivität und Grausamkeit hin und her und schrecken vor nichts zurück. Das Stück bringt Marieluise Fleißers Sprache in einer hybriden Spielform zwischen Figurentheater, Erzählung und Schauspiel auf die Bühne.
Spiel und Konzept: Madita Kuhfuhs, Tanja Linnekogel, Annika Schaper