Kafka am Rand

„Der Prozeß“ und „Ein Hungerkünstler“ von Franz Kafka

Szene aus „Ein Hungerkünstler“

Zweimal Kafka: Zuerst spielt sich Kathleen Gaube in Der Prozeß um Kopf und Kragen, dann widmet sich die Compagnie Freaks und Fremde aus Dresden mit Puppenspielkunst und Musik der Erzählung Ein Hungerkünstler

Der Prozeß

Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet. 

So beginnt die Geschichte des Josef K., dem an seinem 30. Geburtstag von einer mysteriösen Behörde der Prozeß gemacht werden soll. Und je mehr der Bankbeamte seine Unschuld verteidigen will, um so tiefer sinkt er ins Gestrüpp undurchschaubarer Gesetze und menschlicher Verwirrungen. Josef K. muß schließlich erkennen, dass der „Sinn dieser großen Organisation, dieser korrupten Bande“, der Sinn dieses geheimnisvollen Prozesses „die Sinnlosigkeit“ ist. Der Prozeß ist ein großes Werk der Weltliteratur. Die Bedeutung für das 20. Jahrhundert kann nicht überschätzt werden: Denn der Prozess, den Josef K. über sich ergehen lassen muß, ist auch ein Prozess, den er – unschuldig-schuldig – sich selbst macht ...

Ein Hungerkünstler

Es ist alles eine Frage des Appetits. Der eine giert nach Macht und Moneten, der andere nach Liebe oder Luxus, ein dritter nach dem Nichtstun oder stoischer Gelassenheit. Franz Kafkas Hungerkünstler will nichts von alledem, aber keiner soll behaupten, er giere nach gar nichts. 

Nein, er ist ehrgeizig, geradezu süchtig nach Ruhm, er will, dass die Menschen ihm bewundernd zuschauen, wenn er in seinem Käfig hungert. Eine Parabel auf die einsame Wahrheit des Künstlertums. 

Die Tragödie dieses Künstlers ist nicht das Hungernmüssen aus bitterem Entbehren, denn er hat sich längst damit abgefunden, dass die Welt nicht nach seinem Geschmack ist.

Er legt sich mächtig ins Zeug, um den Zuschauer an sich zu binden. Er muss an die Grenze gehen, an die Grenze des Lebens. Seine spektakuläre Erfahrung will er dem Publikum zum Fraß vorwerfen, es mit seinem Schauhungern nähren, hätscheln und verblüffen. Er ist ein Künstler und erst im Tod wird seine Kunst perfekt.

Im Zusammenspiel von Sprache, Puppenspielkunst, Schauspiel und Musik macht die Compagnie Freaks und Fremde aus Kafkas Erzählung ein kleines Theaterjuwel.

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