Eisler – lost in Hollywood

Ein Theaterabend über die Kraft der Musik in unruhigen Zeiten

Sabine Köhler und Heiki Ikkola

Hanns Eisler war einer der umstrittensten Künstler des 20. Jahrhunderts. Seine Arbeiter- und Kampflieder wurden auf der ganzen Welt gesungen. Dafür wurde der Komponist von seinen Widersachern als Karl Marx der proletarischen Musik bezeichnet. Aber Eisler war weit mehr als ein Komponist der Revolution: Sein Anspruch war die Revolutionierung der Musik überhaupt.

In der neuen Produktion der Dresdener Compagnie Freaks und Fremde steht der Mensch und Komponist Hanns Eisler im Zentrum, sein Ringen um eine Kunst, die die Welt zu erkennen und zu verändern vermag, seine Kämpfe, seine Verzweiflung, seine Widersprüche …

Projektionen, Puppen, Live-Musik und überraschende spielerische Elemente prägen auch diese Arbeit von Freaks und Fremde, Freunden unseres Theaters bekannt von Die Jüdin von Toledo. Der Theaterabend entspinnt sich entlang einer Reihe von Eisler-Liedern aus verschiedenen Schaffensperioden. Das Hollywooder Liederbuch nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. In Hollywood fand Eisler Zuflucht, Arbeit und Zeit für seine Kunst. Doch auch von dort wurde er in der Atmosphäre des aufkommenden Kalten Krieges aufgrund seiner Nähe zum Kommunismus vertrieben: Eisler – lost in Hollywood.

Wir erlauben uns, an dieser Stelle einen Brief von Wenzel zu veröffentlichen, den der Liedermacher nach einer Vorstellung von Eisler – lost in Hollywood in Berlin an die Künstler der Compagnie Freaks und Fremde schrieb:

„Ich habe mich sehr über eure Einladung gefreut und ich habe mich auch sehr über euer Stück gefreut, es ist ein kühnes Unternehmen und ihr habt es mit großer Bravour geleistet. Faszinierend, wie ihr euch an die wirklich nicht einfachen Lieder des Hollywooder Liederbuchs herangewagt habt. Es gehört für mich neben der Winterreise und den ernsten Gesängen von Eisler zu den bedeutenden Liedzyklen in deutscher Sprache. Diese Lieder sind so knapp, so kurz und so präzise, dass sie wie ein letztes Sichäußern vor dem Schweigen zu lesen sind. Die Darsteller haben mich sehr fasziniert mit ihrer Klarheit und unprätentiösen Sprechkultur. Nicht zu vergessen ihre sängerische Leistung. Sie haben mit aller Energie versucht, sich dem Dilemma, dass sich aus Halbplayback-Darbietungen ergibt, zu widersetzen, zum Teil durch Wiederholung des gesprochenen Textes, um wieder eigenen Rhythmus ins Geschehen zu bringen. Denn es ist eine komische Sache, wenn die Maschinen unseren Rhythmus bestimmen und nicht unser Puls und unser Atem.

Die musikalischen Bearbeitungen fand ich fast alle sehr gut, sehr eigensinnig. Manchmal fehlten mir die Achtelbewegung, die bei Eisler seine Liebe zu Schubert aufzeigen.

Das nur am Rande. Ich wünsche der Produktion alles Gute und viele aufmerksame Zuschauer. Grüße an alle Beteiligten herzlich von mir. Es war mir eine Freude, Euch erleben zu dürfen.“

> mehr Infos zum Stück und zur Compagnie

Das Stück ist gefördert von:
Landeshauptstadt Dresden – Amt für Kultur und Denkmalschutz
Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Fonds Darstellende Künste - Projektförderung
Fonds Darstellende Künste - Wiederaufnahmeförderung

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